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10 Osterbräuche aus Italien – von fromm bis skurril

In Italien beginnen die Feierlichkeiten zu Ostern am Palmsonntag und enden am Ostermontag. In dieser Zeit – der Settimana Santa (Karwoche) – kann man im ganzen Land zahlreiche schöne, aber auch ungewöhnliche Bräuche finden. Das Soggiorno, eure Sprachschule in Linz, stellt euch die besten Osterbräuche aus Italien im folgenden Blogbeitrag vor.

1. Prozessionen in verschiedensten Ausführungen

In der Osterzeit finden in Italien zahlreiche Prozessionen statt. Ganze Ortschaften gehen dabei oft auf die Straße. Nicht selten gehen die Büßenden barfuß oder in Ketten, um den Weg zur Erlösung zu erschweren. Sie ziehen durch die Straßen, die vom Licht der Fackeln beleuchtet werden. In jeder Region ein paar Eigenarten. So gibt es in etwa in Enna die „Processione degli incappucciati“, die Prozession der Kapuzenträger. Die Teilnehmer tragen dreieckige Kapuzen, die das ganze Gesicht bedecken, während sie durch die Stadt ziehen. Die Farben der Kapuzen repräsentieren dabei die Zugehörigkeit zu einer Bruderschaft, von denen es in Enna zehn verschiedene gibt.

In Prizzi gibt es den „Ballo die davioli“, den Tanz der Teufel. Hier ziehen am Ostersonntag drei Figuren durch die Stadt – zwei Teufel und der Tod – die den endlosen Kampf zwischen Gut und Böse darstellen sollen.

Zu den schönsten Prozessionen gehört auch die Mysterienprozession von Caltanissetta. Unter den Mysterien sind die Stationen des Leidensweges Christi zu verstehen. Die jeweiligen Ereignisse sind in überlebensgroßen Figurengruppen dargestellt, die während der Prozession durch die Straßen getragen werden.

In Sulmona in den Abruzzen findet das Spektakel „Madonna che corre in piazza“ (Die rennende Madonna) statt. Dabei werden Statuen der Apostel Petrus und Johannes von den Teilnehmern getragen. Diese berichten der trauernden Jungfrau Maria, dargestellt von einer in ein schwarzes Gewand gehüllten Statue mit einem weißen Taschentuch in der Hand, von der Auferstehung. Maria erkennt ihren Sohn und läuft ihm freudig über den Platz entgegen, um ihn zu umarmen. Während sie läuft, fallen ihr das schwarze Gewand und das Taschentuch herunter. Dabei wird ihr prächtiges, grünes Kleid enthüllt, aus dem Friedenstauben in den Himmel steigen.

Im toskanischen Grassina bei Florenz gibt es am Karfreitag eine Darstellung der Christuspassion. Rund 500 Personen in antiken, historischen Gewändern ziehen dann durch die Straßen des Ortes. Am Kalvarienberg angekommen, werden Szenen aus der Zeit vor Jesus Geburt nachgespielt.

Besonders bekannt sind die eindrucksvollen Osterprozessionen der süditalienischen Stadt Taranto, von denen in der Karwoche gleich mehrere stattfinden. Sie sind ein beeindruckendes Spektakel aus religiösen Symbolen, Musik und Gesängen. Die Büßer tragen weiße Roben, die ihre Gesichter bedecken, und gehen barfuß.

Am bekanntesten ist die Prozession in Rom, zu der jedes Jahr tausende Gläubige und Touristen aus der ganzen Welt anreisen. Die „Via Crucis“ wird vom Papst höchstpersönlich angeführt. Bei diesem ergreifenden Ereignis wird der beschwerliche Weg Jesu Christi bis zu seiner Kreuzigung nachgestellt, der im Kolosseum beginnt und auf dem Palatinhügel endet. Dabei wird ein großes Holzkreuz den Kreuzweg entlang getragen, begleitet von Fackelträgern.

2. Punta e cul – lustiges Eierzerschlagen auf dem Dorfplatz

In einer kleinen Stadt namens Urbania in Ost-Italien spielt man an Ostern „Punta e cul“. Dabei treffen sich alle, die mitspielen wollen, auf der Piazza im Zentrum. Für jeden Teilnehmer werden zwei hartgekochte Eier bereitgestellt. Diese werden auf dem Platz in einer S-Form ausgelegt. Dann wird gelost, wer anfangen darf. Derjenige darf sich entweder vom linken oder rechten Ei der Eierschlange ein Ei aussuchen. Wurde eines gewählt, dürfen auch die anderen Teilnehmer eines nehmen und dann geht’s los. Ziel ist es, so viele Eier wie möglich zu sammeln. Jeder schlägt dabei mit der Spitze seines Eis auf jene des Nachbar-Eis. Derjenige, dessen Ei kaputt geht, muss es an denjenigen abgeben, der für die Misere verantwortlich ist. Jener Spieler, dessen Ei am Ende noch intakt ist, hat gewonnen. Manche spielen auch noch eine zweite Runde mit der Unterseite des Eis. Daher kommt auch der Name, denn „Punta e cul“ bedeutet „Spitze und Boden.“

3. Die Eroberung des silbernen Eis

In Tredozio in der Provinz Forlì-Cesena sind Eier die Protagonisten des „Palio dell’Uovo”, einer zweitägigen Veranstaltung, die aus Wettbewerben, Spielen und einem Umzug mit Festwagen besteht. Am Ostersonntag findet der „Palio Feminine“ mit vier verschiedenen Spielen statt. Höhepunkt des Festivals ist Wettbewerb der Herren am Ostermontag, bei dem Vertreter der konkurrierenden Distrikte Borgo, Piazza, Casone und Nuovo im Flussbett des Tramazzo um die Eroberung des silbernen Eis kämpfen. Besonders spektakuläre ist auch die „Schlacht der rohen Eier“, bei der etwa 600 Eier abgefeuert werden.

4. Rollende Eier

In Cividale in der Provinz Udine findet das Eierspiel „Gioco del Truc“ statt. Dabei lässt man Eier in große Sandmulden rollen. Wer das Ei eines anderen trifft, darf weitermachen. Wessen Ei getroffen wird, muss sich in der Reihe der Spieler hinten anstellen und 10 Cent „Strafe“ an den erfolgreichen Spieler zahlen. Der Name „Truc“ ist abgeleitet vom Geräusch, das die Eier machen, wenn sie aneinanderstoßen.

5. Eier als Hochzeitsorakel

In San Leonardo, einem Teil der Gemeinde Badia, findet an den Tagen vor Ostern die „Noza da paur“ statt. Die Jungen machen sich dabei auf der Suche nach Mädchen und bitten diese um ein Ei. Diejenigen, die zwölf Eier bekommen, werden innerhalb eines Jahres heiraten. Mädchen, denen Eier übrig bleiben, müssen diese bis spätestens Dienstag nach Ostern begraben, sonst bleiben sie unverheiratet.

6. Eine fliegende und eine „explodierende“ Taube

In Greve in der Chianti-Region wird eine künstliche weiße Friedenstaube an ein Drahtseil gespannt und von der Kirche aus über den Piazza geschossen, als würde sie fliegen. Manchmal schafft es die Taube zurück zur Kirche, woraufhin gefeiert und applaudiert wird.

Eine Taube ist auch die Hauptfigur des berühmten Osterfestes „Scoppio del Carro“ („Explosion des Karrens“, das in der Karwoche in Florenz stattfindet. Die Tradition reicht mehr als 300 Jahre zurück. Dabei fährt ein geschmückter Wagen von der Piazzale del Prato zum Dom von Florenz, wo er durch ein Metallseil mit dem Hauptaltar verbunden wird. Eine künstliche Taube mit einem Olivenzweig im Schnabel wird dann auf das Seil gesetzt und hat die Aufgabe, den Wagen zu erreichen, um das Feuerwerk zu starten. Ist das Ritual erfolgreich, soll den Florentinern ein gutes Jahr bevorstehen.

7. Wettbewerb um das größte Schokoladenei

In Castiglione in Teverina versucht die örtliche Schokoladenfabrik jedes Jahr, ihren eigenen Rekord aus dem Vorjahr zu knacken. Das dabei entstehende Osterei kann schon mal eine Größe von 2,50 Metern annehmen. Nach dem Wiegen wird die Schokolade auf der Piazza kostenlos an hungrige Schleckermäuler verteilt.

8. Die Suche nach der Jesus-Statue

Besonders kurios ist die Tradition „La Crocifissione di Gesù“ in der Stadt Oliena auf Sardinien. Bei diesem lokalen Brauch gehen die Einwohner von Kirche zu Kirche und suchen jeden Tag nach dem auferstandenen Christus, bis am Karsamstag seine Statue gefunden wird. Das führt dann zu einer großen Prozession durch die Stadt, bei der die Teilnehmer die typische Tracht des Dorfes tragen. All dies wird von den Einwohnern des Ortes beobachtet, die auf ihren Balkonen mit Pistolen und anderen Waffen stehen, die in die Luft geschossen werden, um die Auferstehung Christi zu verkünden.

9. Die Verbrennung der Caremma

Wer in der Fastenzeit in Apulien unterwegs ist, sieht eine ganz besondere Figur schon in den Gassen sitzen. Eine Stoffpuppe, die eine alte Frau darstellt, üblicherweise in schwarz gekleidet. Es ist die Caremma mit Symbolen der Fastenzeit wie eine eine Spindel mit Wolle oder eine Bitterorange mit sieben Hühnerfedern. Die sieben Hühnerfedern werden Woche um Woche, an denen sich Ostern nähert, entfernt. Für manche stehen sie auch für die sieben Todsünden. Ostern wird die Caremma verbrannt. Die Tradition der Caremma ist im Salento am weitesten verbreitet.

10. Le Vallje – eine italo-albanische Tradition aus Kalabrien

In den Städten Civita und Frascineto in der kalabrischen Provinz Cosenza feiert man am Ostermontag die sogenannte „Vallje“. Dabei handelt es sich um eine Arbëresh-Tradition, also eine italo-albanische Tradition. An diesem Tag feiern die Arbëresh den Sieg Skanderbergs, eines albanischen Nationalhelden, gegen die Türken, die Albanien besetzen wollten. Nach dem Tod Skanderbergs und der darauffolgenden türkischen Besetzung flohen viele Albaner nach Süditalien, wo sie bis heute ansässig sind. An Ostern kommen zahlreiche Italo-Albaner nach Kalabrien und feiern ihre Traditionen und Kulturen. Dafür tragen sie ihre traditionelle Kleidung und ziehen durch die Dörfer. Währenddessen wird der „Tanz der Vallja“ aufgeführt, den man sich aber eher wie ein Theaterstück als einen Tanz vorstellen muss. So werden etwa Legenden und Episoden der albanischen Geschichte aufgeführt, um die verlorene Heimat zu ehren.

Fazit

Die Osterbräuche in Italien sind vielfältig, faszinierend und manchmal auch ungewöhnlich. Von spektakulären Feuerwerken über religiöse Rituale bis hin zu traditionellen Spielen und süßen Leckereien gibt es eine Fülle von Traditionen, die das Osterfest in Italien zu einem unvergesslichen Erlebnis machen. Egal, ob man sich für die religiösen Feierlichkeiten interessiert oder einfach nur die einzigartigen Bräuche erleben möchte, Ostern in Italien ist ein Fest, das man nicht verpassen sollte. Mehr zu italienischen Ostertraditionen sowie zum klassischen Ostermenü lest ihr in unserem letzten Blogbeitrag: soggiorno.at/ostern-in-italien

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